Page 18 - xpress_Ausgabe 18.2
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Porträt




                                                                                 Im Gegensatz zum Wunsch, Ärztin zu wer-
                                                                               den, hatte sie den Gedanken, vielleicht einmal
                                                                               aufs Land zu ziehen, schon früh. „Ich bin in
                                                                               einer städtischen Umgebung aufgewachsen.
                                                                               Ich hatte aber schon nach meiner Schulzeit den
                                                                               Wunsch, irgendwohin zu gehen, wo man mehr
                                                                               Weite hat und die Häuser nicht so eng zusam-
                                                                               menstehen“, erinnert sie sich.
                                                                                 Als ihr Praktisches Jahr anstand, wollte sie
                                                                               dieses in einer Allgemeinarztpraxis ableisten
                                                                               und wurde über den Erlanger Lehrstuhl an Dr.
                                                                               Wolfgang Blank, Mitbegründer des Projektes
                                                                               „Die Landarztmacher“, verwiesen (siehe
                                                                               x.press 17.4, Seite 18). Für Friedel war es die
                                                                               perfekte Gelegenheit, sich zwei Wünsche zu
                                                                               erfüllen: Einsicht in die Arbeit eines Allge-
                                                                               meinmediziners zu erhalten und dies auf dem
                                                                               Land zu tun. Nach vier Monaten in Blanks Pra-
                                                                               xis in der bayerischen Provinz stand ihr Ent-
                                                                               schluss fest, Landärztin zu werden und nach
                                                                               ihrem Studienabschluss in der Blankschen
          JULIA FRIEDEL                                                        Gemeinschaftspraxis in Kirchberg im Wald
                                                                               ihren allgemeinmedizinischen Facharzt zu
                                                                               erwerben.
                                                                                 Die junge Ärztin setzte ihren Vorsatz um
                                                                               und  begann  Ende  2015  ihre  fünfjährige
                                                                               Facharztausbildung für Allgemeinmedizin. Das
                                                                               erste Jahr absolvierte sie in der bayerischen
                                                                               Gemeinschaftspraxis und arbeitete an deren
                                             Die                               in der Inneren Abteilung in der Arberlandklinik
                                                                               unterschiedlichen Standorten. Aktuell ist sie
                                                                               Viechtach tätig, wo sie noch bis Ende Januar
          ulia Friedel hat das getan, was sich viele                           2019 bleiben wird. Wie es danach weitergeht,
          Politiker und Versorgungsforscher wün-                               ist noch offen. Sicher ist aber, dass sich Friedel
        Jschen: Sie hat sich entschlossen, Landärztin
        zu werden. Junge Ärzte wie sie könnten helfen,   Vorbildliche
        das altbackene Image der Landärzte aufzufri-
        schen und andere junge Kollegen zu motivie-
        ren, es ihnen nachzutun.
          Wenn man das sagt, lacht sie ein wenig ver-
                                              Die Medizinerin Julia Friedel hat
        legen, denn so ein Vorbild zu werden, hatte sie                        so breit wie möglich aufstellen will: „Ich finde
                                              in der Praxis von Dr. Wolfgang
        nie im Sinn. Die 29-Jährige hatte noch nicht mal                       es spannend, dass man als Allgemeinmediziner
        von Anfang an vor, Medizin zu studieren. „Nach   Blank im Bayerischen Wald die   so viele Krankheitsbilder zu sehen bekommt.
        dem Abitur war ich sehr unsicher, was ich mal   ersten Schritte als Landärztin   Es wird nie langweilig.“
        beruflich machen will.“ Die junge Frau begann   gemacht. Nach ihrer Facharztaus-  Dass sie einmal in einer Praxis arbeiten
        zunächst ein BWL-Studium, merkte jedoch   bildung zur Allgemeinmedizine-  würde, hätte sie zu Beginn ihres Studiums
        schnell, dass sie mit dieser Berufswahl nicht                          nicht gedacht. Friedel war sich sicher, irgend-
                                              rin möchte sie in die Blanksche
        glücklich werden würde. „Das war mir zu we-                            wann in einer Klinik zu landen. Seit ihrer Zeit
                                              Praxis zurückkehren.
        nig praktisch“, sagt sie. Zu diesem Zeitpunkt                          in der Gemeinschaftspraxis freundet sie sich
        interessierte sie sich schon für Medizin, traute                       jedoch immer mehr mit dem Gedanken an eine
        sich das anspruchsvolle Studium jedoch zu-                             Niederlassung an. Obwohl sie der unternehme-
        nächst nicht so recht zu. Ein Praktikum in ei-                         rische Aspekt zunächst abschreckte, wie sie
        nem Krankenhaus half ihr, diese Zweifel hinter                         zugibt. „Gute Rollenvorbilder haben mir aber
        sich zu lassen, und sie begann schließlich, in                         gezeigt, dass man zum Beispiel auch als Frau
        ihrer Heimat- und Geburtsstadt Erlangen                                mit Familie eine Praxis leiten kann“, so Friedel.
        Medizin zu studieren.                                                  Hier sieht sie durchaus Vorteile, in einer

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