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Thema




                                             „Wir haben uns in der Krise
          Bei den Krankenhäusern soll eine verbind-                            Bürger aufführen“, so die Liberalen. Die Abga-
        liche Landeskrankenhausplanung erreicht wer-                           benquote, die seit Amtsantritt Angela Merkels
        den, bei der der Bund „gemeinsame, bundes-  an die Basistechnologie Pa-  von 38,8 Prozent auf 41,4 Prozent gestiegen ist,
                                             pier geklammert, als wären
        weite Grundsätze“ definiert. Die Finanzierung                          soll wieder auf unter 40 Prozent sinken.
        soll nicht mehr nur nach Fallzahl, sondern „auch                         In Sachen „weniger Staat“ nimmt sich die
                                           wir noch im 20. Jahrhundert.“
        nach gesellschaftlichem Auftrag“ erfolgen. Die                         FDP unter anderem das Robert Koch-Institut
        Investitionslücke bei den Krankenhäusern müs-                          vor, das nicht mehr weisungsgebunden sein,
        sen Bund und Länder gemeinsam schließen. Als   Wahlprogramm FDP zur Bundestagswahl 2021  sondern in eine politisch unabhängige Behör-
        Lehre aus der Corona-Pandemie plädieren                                de nach dem Vorbild der Bundesbank überführt
        Bündnis 90/Die Grünen für die Gründung eines  heitswesen“ müsse beendet werden. Und wei-  werden solle. Es folgt ein klares Bekenntnis zu
        „Bundesinstituts für Gesundheit“. Es ist als  ter: „Gewinne, die aus Mitteln der Solidarge-  ärztlicher Freiberuflichkeit und Therapiefrei-
        zentrales Public-Health-Organ konzipiert, um  meinschaft erwirtschaftet werden, sollen  heit. Auch die FDP will Sektorengrenzen ab-
        die Gesundheitsdienste der Länder und Kom-  verpflichtend und weitestgehend wieder in das  bauen und die Leistungsbereiche besser ver-
        munen sowie andere Strukturen der öffentli-  Gesundheitssystem zurückfließen.“ Integrier-  zahnen. Regionale integrierte Gesundheitszen-
        chen Gesundheitsfürsorge zusammenzuführen.  te Versorgungszentren in Verantwortung der  tren finden sich auch bei ihr, freilich ohne ex-
          Auf Finanzierungsseite steht der Einstieg  Kommunen finden sich auch bei den Sozialde-  pliziten Wunsch nach gemeinnütziger Träger-
        in eine Bürgerversicherung im Wahlpro-  mokraten, genauso eine Abkehr vom Fallpau-  schaft. Der Grundsatz „ambulant vor stationär“
        gramm. Zudem wird eine gemeinsame Abrech-  schalensystem und eine Stärkung des Gemein-  wird betont, und bei der Krankenversicherung
        nungssystematik für ambulante und stationä-  wohls durch eine bessere Finanzierung öffent-  schwebt der FDP die Wahlfreiheit zwischen
        re Leistungen angestrebt, und die strikte  licher Krankenhäuser.       GKV und PKV vor, mit simplem Wechsel zwi-
        Trennung zwischen EBM und GOÄ soll „aufge-  Dass Die Linke in viele dieser Kerben noch  schen den Welten.
        hoben“ werden. Die Ausgaben für den öffentli-  kräftiger haut, überrascht nicht. Gemäß Wahl-  Die CDU/CSU schließlich spricht in ihrem
        chen Gesundheitsdienst, so der Plan, werden  programm sollen Ausgliederungen und Priva-  forsch mit „Regierungsprogramm“ betitelten
        schrittweise auf ein Prozent der Gesundheits-  tisierungen im stationären Bereich rückgängig  Wahlprogramm sehr viel über Pflege, während
        ausgaben erhöht.                   gemacht und Krankenhausgewinne „verboten“  die ärztliche Versorgung eher knapp abgehan-
                                           werden. Der Bund müsse zudem einen Fonds  delt wird. Dazu passt das deutliche Bekenntnis
                       SPD: Krankenhäuser   zur Rekommunalisierung der stationären Ver-  zu Selbstverwaltung und – auch hier – zu freier
                       für ambulante       sorgung auflegen. Äuf Finanzierungsseite soll  Arzt- und Therapiewahl. Das Robert Koch-
                       Versorgung öffnen   der Krankenkassenbeitrag durch Wegfall der  Institut soll nicht in die Unabhängigkeit entlas-
                                           Beitragsbemessungsgrenze um 3 Prozent-  sen, sondern unter der Obhut der Bundespolitik
                      Auch die SPD will unter dem  punkte sinken. Die Trennung zwischen priva-  zu einem deutschen Public-Health-Institut aus-
        plakativen Stichwort „Update für die Gesund-  ter und gesetzlicher Krankenversicherung soll  gebaut werden.
        heit“ den Staat stärker in die medizinische Ver-  abgeschafft, eine solidarische Gesundheitsver-
                                                                                                Kommen Digitalisie-
        antwortung holen. Es finden sich viele Ä� hnlich-  sicherung auf Basis der Gesamteinkünfte in-
                                                                                              rungsministerium und
        keiten zu Bündnis 90/Die Grünen. Die SPD will  klusive Kapitaleinkünfte eingeführt werden.
                                                                                              E-Health-Roadmap?
        die Bürgerversicherung, und sie will die Verant-  Im ambulanten Bereich soll die sektorenüber-
                                           greifende Bedarfsplanung kommen. Die Ent-
           „Wir wollen Datenschutz         wicklung in Richtung Medizinischer Versor-        So weit zu den gesund-
                                                                                             heitspolitischen Leitplan-
                                           gungszentren in der Hand von „Konzernen“
        gewährleisten und geeignete        will Die Linke rückgängig machen und statt-  ken. Doch wie steht es mit den Themen Digita-
         Rahmenbedingungen, damit          dessen „regionale Versorgungszentren“ als  lisierung und E-Health? Beginnen wir diesmal
                                           Rückgrat des ambulanten Sektors einrichten.
                                                                               von hinten. Bei der CDU/CSU ist die Digitalisie-
         nicht die großen Plattformen         Freiberufliche Ärzte kommen in den Wahl-  rung ein Riesenthema. Die 20er-Jahre sollen
            auch die Gesundheits-          programmen der drei Parteien nur am Rande  ein „Modernisierungsjahrzehnt“ werden. Eu-
                                                                               ropa wird nach den Vorstellungen der Union
                                           vor, wenn überhaupt.
           versorgung dominieren.“                           FDP will Bürokratie    zu einem Vorreiter für einen fairen Wettbe-
                                                           bepreisen           werb in der Digitalwirtschaft, mit einem kla-
                                                                               ren Rechtsrahmen für digitale Plattformen,
             Wahlprogramm SPD zur Bundestagswahl 2021
                                                                               der unter anderem Haftung, Sicherheit, Ge-
        wortlichkeiten von ambulantem und stationä-        Bei der FDP ist das natur-  währleistung, Updates, Nutzerbewertungen
        rem Sektor neu ordnen. Eine zentrale Maßnah-       gemäß etwas anders: Ein  und Produktrankings thematisiert.
        me stellt die „stärkere O� ffnung von Kranken- Plädoyer für „Freiheit und Verantwortung“   Im Gesundheitswesen soll an die Einführung
        häusern für ambulante, teambasierte und in- durchzieht das gesamte Wahlprogramm, auch  der elektronischen Patientenakte ein Strate-
        terdisziplinäre Formen der Versorgung“ dar.  die Absätze zur medizinischen Versorgung. Der  gieprozess „Digitale Gesundheit 2025“ und an
          Vor starken Worten schreckt die SPD nicht  Staat möge sich nicht im Klein-Klein verzetteln  diesen wiederum eine ressortübergreifende
        zurück: Die „Kommerzialisierung im Gesund- und sich nicht als „Erziehungsberechtigter der  E-Health-Roadmap „Digitale Gesundheit 2030“

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